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Plüschow. Diese Skulpturen zeigen keine Ehrfurcht vor der historischen Umgebung. Die bizarren schalen- oder gefäßartigen Gebilde des Mecklenburger Künstlers Herbert W. H.

Hundrich bringen Räume schon wegen ihrer Farbigkeit in Blau oder einem kräftigen Rot-Orange zum Leuchten. Zu sehen sind sie in der Ausstellung „3 D — Positionen zur Skulptur“ in Schloss Plüschow.

Das Künstlerhaus, in der Nähe von Grevesmühlen gelegen, ist ein besonderer Ausstellungsort. Denn das kleine Barockschloss ist selbst ein Kunstwerk. Das war zu beachten. Acht Künstler und Künstlerinnen haben sich der Herausforderung gestellt.

Sie zeigen ihre Werke in einem Gebäude, das imposant ist, aber nicht einschüchternd. 1763 wurde das Schloss in barockem Stil von dem Hamburger Kaufmann Philipp Heinrich von Stenglin als Sommer- und Jagdschloss gebaut. Nun haben sich im Vorgarten seltsame Besucher niedergelassen, rote Kugeln mit schwarzen Stacheln, die riesigen Kastanien ähneln. Die „Visitors“ stammen von dem Dresdener Künstler André Tempel.

Die meisten Künstler haben den Dialog mit der Architektur angenommen. Der Brite Neil Taylor betreibt Raumgestaltung mit bemalten, stabartigen Skulpturen, die sich an Wände lehnen. Das Künstlerehepaar Sabine und Christian Egelhaaf aus Mustin (Kreis Herzogtum Lauenburg) hat sich des Dachbodens bemächtigt. Die Installation „White Cube oder: Alles könnte anders sein“ ist eine Aufforderung, auf eine der hohen Leitern zu steigen oder auf die Schaukel. In der Mitte des Bodens wurde ein Raum abgetrennt und weiß verkleidet. An der Wand huschen Blasen vorbei.

„Kindheitserinnerungen an dunkle Dachböden werden wach: Bauen, klettern, entdecken. Freiräume schaffen, die Möglichkeit, auf verschiedenen Ebenen etwas Neues zu entwickeln...“, haben die Egelhaafs geschrieben. Nachzulesen ist dies im Erdgeschoss. Dort äußern sich die Künstler auf Schrifttafeln auch darüber, wie es ist, in Schloss Plüschow auszustellen.

„Dass dieser Ort über so lange Zeit (25 Jahre) ein Ort der modernen Kunst ist, hat mit Lebensleistung zu tun“, lautet die Antwort des Bildhauers Reinhard Buch. Gemeint ist die Lebensleistung der beiden Gründer Miro Zahra, Leiterin des Künstlerhauses, und ihres Ehemannes Udo Rathke, Kurator der Ausstellung. Beide sind selbst Künstler, beide sind dafür verantwortlich, dass aus dem Landsitz ein Künstlerhaus von Rang und Namen wurde. Als Studenten haben sich die beiden in Ost-Berlin kennengelernt. Als Rathke, der in Grevesmühlen geboren wurde, nach Mecklenburg zurückkehren wollte, fand er ein Atelier in Plüschow. Das Schloss war in schlechtem Zustand. „Es zog, es gab kein Badezimmer, die Räume waren nicht zu beheizen“, sagt Miro Zahra. Dennoch vereinnahmte das Künstlerpaar das Schloss mehr und mehr. 1989, noch zu DDR-Zeiten, fand die erste Ausstellung statt. Am Anfang hätten sie manchmal schlaflose Nächte gehabt, sagt Miro Zahra: „Wir sind da hineingewachsen.“

Ein Förderverein wurde gegründet. Es gelang, das Schloss mit öffentlichen Mitteln umfassend zu sanieren. So entstand ein Schmuckstück, das weit ausstrahlt. Denn in Plüschow finden nicht nur regelmäßig Ausstellungen statt. Es gibt auch Ateliers, die Künstler für eine gewisse Zeit mieten können. Und im Winter öffnet sich das Schloss für Stipendiaten aus aller Welt.

Eigentlich war alles etwas anders geplant. Zahra und Rathke wollten das Projekt anschieben und sich später irgendwann zurückziehen. Es kam anders. „Es kostet viel Energie und Kraft“, sagt Zahra. „Aber man bekommt viel zurück.“

„3 D — Positionen zur Skulptur“, bis zum 23. August.

„Der Austausch ist uns sehr wichtig“
Lübecker Nachrichten: Was bedeutet Ihnen Schloss Plüschow?

Christian Egelhaaf: Wir kennen das Künstlerhaus schon sehr lange. Meine Frau und ich sind regelmäßig zu den Ausstellungen gegangen und freuen uns, selbst einmal dort ausstellen zu können.



LN: Schloss Plüschow hat eine besondere Atmosphäre. Wie wichtig ist das für die Präsentation Ihrer Installation?

Egelhaaf: Unsere Installation ist maßgeschneidert für den fantastischen Dachboden, den wir schon vorher kannten. Als wir angesprochen wurden, stand schnell fest, dass wir für diesen Dachboden arbeiten würden.



LN: Sie sind auch Mitglied im Künstlerbund Mecklenburg-Vorpommern. Warum engagieren Sie sich dort?

Egelhaaf: Wir wohnen in Mustin — direkt an der Landesgrenze. Da liegt es nahe, grenzüberschreitend etwas bewegen zu wollen.

LN: Spielt es noch eine Rolle, ob man als Künstler oder Künstlerin im Westen oder im Osten tätig ist?

Egelhaaf: Zwischen Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern gibt es leider nicht viel Austausch. Man bekommt nur wenig von dem mit, was auf der jeweils anderen Seite der Landesgrenze künstlerisch geschieht.



LN: Ist das ein Grund, weshalb Sie sich im Künstlerbund Mecklenburg-Vorpommern engagieren?

Egelhaaf: Ja klar. Wir tun auch einiges dafür, beteiligen uns an den Landesschauen in Mecklenburg-Vorpommern. Im vergangenen Jahr haben wir auf Rügen eine große Installation gezeigt. Der Austausch ist uns sehr wichtig. In Ratzeburg organisierte der Lauenburgische Kunstverein 2014 die Ausstellung „Brücken ins Paradies“ unter der Beteiligung einiger mecklenburgischer Künstler. Im Herbst 2015 ist eine ähnliche Aktion geplant.

Interview: Liliane Jolitz

Liliane Jolitz

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